Kultur bei inpraxima
Die Kultur einer Organisation ist für die dort tätigen Menschen quasi wie der Boden für die auf ihm gedeihenden Pflanzen. Und so wie der Boden für Pflanzen sowohl wachstumsfördernd als auch wachstumshemmend wirken kann, kann eine Unternehmenskultur die Mitarbeiter des Unternehmens fördern oder behindern.
Was treibt Menschen an? Was begeistert sie? Können Zuckerbrot und Peitsche das beste aus ihnen herausholen? Wie wollen wir miteinander umgehen?
Immer wenn Max Perutz, Gründer und Leiter des Laboratory of Molecular Biology (LMB ) an der Universität Cambridge, gefragt wurde, ob es einfache Richtlinien für die Organisation von Forschung gebe, die diese kreativ machen, so pflegte er verschmitzt zu antworten: „keine Politik, keine Komitees, keine Berichte, keine Gutachter, keine Beurteilungsgespräche; nur begabte, hochmotivierte, von Menschen mit Urteilskraft ausgesuchte Leute“.
Ganz falsch kann Perutz damit nicht gelegen haben. Immerhin erhielten - er mit eingeschlossen – sage und schreibe 19 Mitarbeiter des LMB einen Nobelpreis, unter anderem für die berühmte Entdeckung der Molekularstruktur der DNA.
Perutz hat erkannt, dass begabte, hochmotivierte Menschen Freiräume brauchen, in den sie sich unabhängig entfalten können. Er hat auch verstanden, dass im Gegenteil dazu penible Planung und ständige Überwachung die Kreativität und Neugier solcher Menschen zerstören kann. Auf dem Laufenden hielt er sich trotzdem, in dem er sich mit seinen Kollegen immer wieder zum Kaffee, zum Mittagessen oder zum Tee zusammensetzte. Fortschrittskontrolle auf eine angenehme Art und Weise.
Warum erzählen wir diese Geschichte? Nun, sie beschreibt sehr gut, wie wir bei inpraxima arbeiten und miteinander umgehen wollen. Als inpraxima gegründet wurde, kannten wir Perutz und seine genialen Ausführungen noch nicht. So waren wir sehr erfreut, als wir merkten, dass es schon vor 70 Jahren jemand so gut auf den Punkt gebracht hat, wie auch wir zusammenarbeiten.
Die meiste Zeit arbeiten wir full remote, jeder wann und wo er kann - eigene Büroräume hat inpraxima nicht, sie würden einen zu großen Teil unserer Spenden verschlingen. Dieses unabhängige Arbeiten ist uns wichtig. So haben wir die Zeit und die Ruhe, um uns intensiv mit einem Thema zu beschäftigen. Über diese Zeit ist niemand rechenschaftspflichtig. Genauso wenig gibt es, über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinaus, bürokratische Hindernisse, die uns bei der Arbeit stören könnten. Was zählt, ist allein die Entwicklung von Ideen und das Bemühen um Erkenntnisse.
Neben der Arbeit „allein im stillen Kämmerlein“, die zweifelslos den Großteil unserer Zeit in Anspruch nimmt, pflegen wir regelmäßige Treffen, um uns über den Fortschritt unserer Arbeiten auszutauschen. Am liebsten nutzen wir dafür Pausen zwischen Vorlesungen, um uns unweit der Hochschule in einem Café zu treffen. Zuweilen besuchen wir uns auch oder veranstalten Workshops, in denen wir uns und allen Interessierten unsere neuesten Erkenntnisse präsentieren. Im Sommer grillen wir gemeinsam und so oft es geht, treffen wir uns zu einem gemeinsamen Abendessen.
inpraxima eröffnet seinen Mitarbeitern vielfältige Freiräume. Einen Tischkicker sucht man bei uns allerdings vergebens. Reichlich offene Fragen sorgen für Inspiration und lebendige Diskussionen und wer gerne liest, kommt bei uns allemal auf seine Kosten. Last but not least bekommen alle Studierende ein festes monatliches Gehalt, was nicht immer üblich ist.